Zu Fuß über den Alpenhauptkamm

Regentag- Ruhepause in Vent

Der Wetterbericht hat Recht, denn seit den frühen Morgenstunden regnet es unaufhörlich. Meine zwei Mitreisenden schlafen und lesen im Wechsel. Für mich endlich einmal die Gelegenheit die Geschehnisse bildlich und per Text zu ordnen, denn in den letzten Tagen haben wir so viel erlebt, dass erst einmal gedankliche Sortierung angesagt ist.

Ich habe ca. 10 DIN A4 geschrieben, Notizen verfasst und Verweise notiert und merke immer mehr, dass es eine fantastische Tour ist, die uns bis hierher geführt hat. Wenn man dann die Unwägbarkeiten und Geschehnisse betrachtet, die wir nicht planen konnten, dann können wir sagen das Beste daraus gemacht zu haben.

Sicherlich haben wir nicht alles verwirklichen können, doch daran haben wir nicht festgehalten, nein im Gegenteil wir haben alles so angenommen, wie es sich ergeben hat. Vielleicht ist es auch der Grund, dass wir alle mit vollem herzen an der Tour hängen.

Unterwegs in Vent

Auch wenn das kleine Dörfchen Vent heute nicht auf der Sonnenseite des Ötztales liegt, denn es regnet noch immer, so ist es dennoch auch bei diesem Wetter beschaulich. Wir waren über Mittag noch einmal einkaufen, um Proviant und Getränke für die kommenden Tagen zu holen, denn morgen geht es in Richtung Alpenhauptkamm.

Deshalb gilt es auch noch einmal die Kleidung zu sichten, um nicht unnötigen Ballast zu tragen, wenn es mit dem Rucksack losgeht.

Nachdem wir wieder im Quartier angekommen sind, fängt es wieder verstärkt an zu regnen. Wie hatte doch der Wirt der Balbachalm in Hochoetz per Telefon gesagt: Das Wetter ist "scheisterlich".

Am heutigen Tage stimmte diese Aussage, doch morgen hatte der Wetterbericht dem Land Tirol Sonne versprochen und die konnten wir gut gebrauchen, jetzt wo es noch einmal in die Berge ging.

Was es sonst noch wichtig ist..

Heute lebt Vent den sanften Tourismus. Freundliche Unterkünfte in jeder Kategorie vom Hotel bis zur einfachen Bergsteigerunterkunft erwarten die Wanderer. Diese können unzählige Wanderouten mit acht Alpenvereins- und Schutzhütten begehen, herrliche Touren , faszinierende Gipfelerlebnisse und interessante Mehrtagestouren wählen.

Begründet wurde dies vom Pfarrer Franz Senn, Mitbegründer des Deutschen Alpenvereins (1869) und Kurat in Vent. Er förderte den Alpinismus legte die ersten Schutzhütten an. Damit wollte er die Menschen für die Berge begeistern, aber auch die wirtschaftliche Lage der Bergbauern verbessern.

1869 regte er zum Bespiel den Bau der Hochjochhospizhütte an, welche in 2520 m gegenüber dem heutigen Hochjoch Hospiz gelegen war und welche 1924 zum zweiten Mal durch eine Lawine zerstört wurde. Der damalige Saumweg rechts der Ache war sein Werk, weil er damit den Zugang in Schnalstal über das Hochjoch sicherte.

Dennoch wurde dieser Weg Franz Senn und seinem Freund am 07./08.11. 1868 zum Verhängnis, als beide auf dem Rückweg aus Meran in einen Schneesturm gerieten, bei welchem sein Freund Cyrprian Granbichler sein Leben verlor.

Damit hatte das Bergdorf Vent seinen besten Bergführer verloren. Eine Gedenktafel macht auf diesen Umstand aufmerksam.

Foto- Vent bei Sonnenschein
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